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Theater total besteuert ©  2018 —- Impressum

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Auszug aus der Rheinpfalz:
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Ein gelangweilter Firmeninhaber, seine betriebsame, vor allem Martinis schlürfende Gattin, ein bescheuerter Psychiater samt zickiger Ehefrau, ein mehr schwuler als cooler Leutnant und ein Mr. Petersen, der als säuberlich mit Hemd und Hut bekleidetes Skelett auftaucht – das vor allem ist das Personal von Sam Bobicks Kriminalkomödie „Flemming – Ein amerikanischer Thriller“, den die Theatergruppe „Total besteuert" am Donnerstag und Freitag im Edenkobener Kurpfalzsaal hinreißend komisch und mit sehr viel Witz und Tempo aufführte.
Die Truppe, die zum dritten Mal mit einer eigenen Produktion auftritt, spielt mit beachtlicher Spielfreude, hohem Tempo und ist hervorragend aufeinander eingespielt, obwohl einige Darsteller jetzt zum ersten Mal dabei sind. Einen ganz besonderen Spaßfaktor gewinnen die „Total-besteuert"- Produktionen dadurch, dass alle Mitwirkenden Dozenten an der Fachhochschule für Finanzen in Edenkoben sind und teilweise ihr bloßes Erscheinen auf einer Theaterbühne schon das Publikum – darunter viele Studenten – zu Lachstürmen hinreißt. Und wenn dann noch zwei seriöse Lehrer sich plötzlich in einem zärtlichen ehelichen Kuss wieder finden, dann sorgt das für Erheiterung. Das unglaublich verwickelte Kriminalstück bot den Darstellern herrliche Möglichkeiten, eigenartige Persönlichkeiten darzustellen und nur eine sichere Konstante: Keiner von ihnen lehnte jemals einen angebotenen Drink ab. Martinis waren der Renner, aber da gab Bloody Marys, Bull Shots und Pink Ladys – fast das ganze Stück über stand eigentlich immer einer der Mitspieler hinter der Bartheke und mischte Drinks. Die brauchten sie aber auch, das Stück entwickelte eine beachtliche Dramatik, das Ausmaß der Verwicklungen stieg parallel zu dem Anstieg der zu beklagenden Toten. Und das alles nur, weil Georg Flemming aus seinem langweiligen und sehr überschaubaren bürgerlichen Dasein aussteigen wollte und nach dem Verkauf seiner Firma eine Lizenz als Privatdetektiv samt Büro erwarb. Gattin Karen (zum ersten Mal dabei und absolut professionell: Silke Sager) findet das überhaupt nicht komisch und braucht erst mal so diesen und jenen Martini. Das Leben war doch bisher so gemütlich und so überschaubar – jetzt schrottet der Gatte nicht nur beim ersten Fall den neuen Anzug, lässt sich zusammenschlagen, jagt einem geheimnisvollen Mandanten hinterher, ist –möglicherweise – für den Tod mehrerer Personen verantwortlich und muss vor der Polizei fliehen. Jörg Ramb als Privatdetektiv George Flemming (der längst verblichene James Bond- Erfinder mit gleichem Nachnamen lässt grüßen) gibt ganz vorzüglich den befreiten Mann, dem der Wandel vom Spießer zum Abenteurer viel Vergnügen macht. Schon heftigen Auftrittsapplaus kassierte Philip Poppelbaum in der Rolle des unerträglich aufdringlichen, neugierigen und trotteligen Psychiaters Stan Spencer, der sich am Ende als ganz besonderes Schlitzohr entpuppt. Wunderbar vorlaut und trinkfest seine ständig knabbernde und bissige Widerworte gebende Gattin Suzy, als die die brillante Christiane Lang schon viel zu früh meuchlings gemordet wird. Edgar Leicht spielt auf den Punkt genau Georges Schwiegervater Walter so, wie man sich einen Dozenten an der Finanzhochschule vorstellt, trocken und bieder, und wird doch das erste Opfer der andauernden Mordserie. Einen ganz eigenartigen Eindruck machte Christian Baur als angeblicher Leutnant Davis, der zur Begeisterung des Publikums zum klassischen Trench doch ausgerechnet rosa Glitzerhosen mit Schlitz und Schlag trug. Kein Wunder, dass er sich später als Lebensgefährte des Bruders von Gangsterboss Vito Mardigian – ganz wunderbar verkorkst Georg Sebastian – outete. Doch kaum kommen die beiden sich nach Flemmings Aufdeckung der Intrige, die die kesse Sekretärin Miss Havenhurst aus Rache angezettelt hat, näher, da werden sie von dem vergnügungssüchtigen Psychiater gemeuchelt, bevor der frisch gebackene Witwer mit der mörderischen junge Dame (Iris Zimmer souverän im rosa Lacklederanzug) das Weite sucht und nach Acapulco entkommt. Am Ende ist auch die frustrierte Karen überzeugt, dass ihr so jäh durcheinander gebrachtes Leben doch auch eine Menge an Spannung gewonnen hat. Für Panik sorgen am Schluss beim tapferen Privatdetektiv nur noch zwei Fremde, die durch den Garten auf das Haus zukommen: Doch das sind bloß seine Kinder, deren umfangreicher Terminplan ein Treffen mit dem Erzeuger seit Monaten verhindert hatte. Mit ihrer Neuproduktion ist die Theatergruppe „Total besteuert“ demnächst auch in Gotha und im Theater Überzwerch in Saarbrücken zu sehen, wo ehemalige Dozenten der Fachhochschule heute tätig sind und weitere Auftrittsmöglichkeiten organisiert haben.